...alles a-cappella
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Musik für Sie

Finale Links die Ellenbacher Musikanten und rechts ein »junger Tenor« neben uns Showtime...

Der MDR will uns

Etwa eine Woche nach der Hochzeit trat der MDR an uns heran. Man hatte von uns gehört und zeigte Interesse daran, uns für eine Sendung zu engagieren, die in der Meirotels-Halle stattfinden sollte. Geplant war eine Sendung mit musikalischen Beiträgen speziell aus unserer Region. Der Rotenburger Bürgermeister Fehr hatte uns bei dieser Gelegenheit empfohlen (er hatte uns vier Wochen zuvor in Braach gehört).

Zum ersten Kennenlernen trafen sich ein paar Leute vom MDR mit Ingo, Marco und Niels in einem Café in Rotenburg. Bilder wurden den Leuten gezeigt und unsere Jungs gaben eine kurze Beschreibung von unserer Gruppe. Zum guten Schluß gab man den Fernsehleuten unsere Vorab-CD mit.


Am 27. September war es dann soweit, und die MDR-Leute statteten uns einen Besuch im DGH zu Sterkelshausen ab. Sie wollten einmal sehen, wie es aussieht, wenn wir unsere Liedchen trällern. Sie brachten eine Kamera und Scheinwerfer mit, um uns beim Singen aufzuzeichnen. Wir brachten unsererseits sämtliche Auftrittskleidungen mit, die wir hatten. Das Trikot wurde von den Herren Fernsehleuten sofort verworfen, es würde eher zu einer Fußballmannschaft passen. Das dunkelblaue Hemd fiel ebenso heraus, die Latzhose präsentierten wir erst gar nicht. So sangen wir “Aus der Traube ...”, und “Männer”. Eigentlich reichte ihnen das schon, aber wir setzten nur so zum Spaß noch “Alheim” drauf.

Bemängelt wurde, dass wir nicht einheitlich auftraten. Wir hatten unterschiedliche Hemden, sowie Westen an, einige hatten schwarze Jeanshosen an und keine Stoffhosen, außerdem trugen nicht alle von uns schwarze Schuhe. Man sah, dass in diesen Kreisen auf Details geachtet wird.

Abschließend sagten sie uns, dass noch über unsere Verpflichtung bei der Sendung beraten werden müßte, wir uns aber den 20. Und 22. Oktober schonmal freihalten sollten.


Zwei Wochen später rief jemand vom MDR an, und wollte unsere sämtlichen Kleidergrößen wissen, um uns zum Auftritt nötigenfalls mit Klamotten aus der MDR-Kleider auszustatten, da wir ja bei der Probeaufzeichnung im DGH so verheerend unterschiedlich gekleidet gewesen waren.


Ein paar Tage später stellte sich auch heraus, welches der beiden im DGH vorgetragenen Lieder wir singen sollten. Einige von uns hatten es schon befürchtet, es war: “Aus der Traube in die Tonne”. Angeblich war es das Lied mit der besten Klangqualität auf der CD. Eine Zusammenkunft wurde abgehalten, wo ursprünglich über eine mögliche Choreographie beim Fernsehauftritt beraten werden sollte. Aufgrund der Offenbarung des zu singenden Liedes war aber ausschließlich selbiges Gegenstand der Diskussion. Wir waren zuerst etwas bestürzt, da das Weinsauflied nicht zu unserer eigentlichen Musikrichtung gehört. Letztlich sollte das aber kein Grund für uns sein, den Auftritt abzusagen, denn: wann bekommt man schonmal ein Angebot vor Tausenden und Abertausenden bundesdeutscher Fernsehschirme zu trällern?

So brannte Niels für jeden von uns eine CD mit dem schicken Liedchen darauf, um im stillen Kämmerlein schonmal individuell das Play-Back zu trainieren.


Stellungsprobe

Am Donnerstag, dem 21. Oktober war die Stellungsprobe angesagt. Im Programm stand geschrieben, dass wir um 18:00 Uhr dran sein sollten und dass wir schon eine Stunde vorher anwesend sein sollten. So trafen wir uns um 17:00 Uhr am Haupteingang der Meirotels-Halle Wir hatten unsere Schwarz-Weiß-Auftrittskleidung an. In der Vorhalle warteten wir dann noch etwa eine halbe Stunde, bis wir vom Regie-Assistenten abgeholt wurden. Er zeigte uns unsere Umkleidekabine, die die gleiche zu sein schien, die wir dereinst bei der Gewerbeschau unsicher gemacht hatten. Dann brachte er uns zu den Damen von der Garderobe, die eine todschicke Hemd-Westen-Kombination für uns bereithielten. Es waren weiße Hemden, dunkelblaue Westen und ein Wahnsinns-Halsschmuck, den man als Mischung zwischen Schlips und Fliege bezeichnen könnte. Zum ersten mal in unserer Karriere waren wir alle gleich gekleidet!

Dann nahmen wir im Saal auf der Tribüne Platz, um auf unsere Probe zu warten, denn die jungen Tenöre waren noch vor uns dran. Wir sahen uns das ganze an. Sie mußten mehrmals singen, verschiedene Kameraeinstellungen wurden ausprobiert. Einer der drei Tenöre war nicht da, so mußte der Aufnahmeleiter Wegner einspringen, der an diesem Abend noch gut 50% der Akteure vertreten sollte.

Auch unsere Zeit kam. Der Regisseur rief uns übers Mikro auf. Man nannte uns Position 22. Der Chef im Ring, seines Zeichens Regisseur des Ladens begrüßte uns und sagte, wir sollten uns doch mal so aufstellen, wie wir sonst auch singen. Wir taten’s und es sah nicht so toll aus. Die Fernsehleute hatten eine bessere Idee. Im linken Bereich der Bühne befand sich ein halbkreisförmiges Podest mit drei Stufen. Dort verteilten wir uns von unten bis oben und von links nach rechts. Dann lief die Kamera und wir sangen das Weinlied zum ersten mal. Der Autor der Sendung Jürgen Schulz kam zu uns herüber und erklärte, dass das hier keine Trauerveranstaltung sei, freundliche Gesichter wären angesagt. So taten wir unser bestes und waren beim zweiten mal schon richtig gut. Wir mußten unser Antlitz immer zu der Kamera richten, deren Laterne rot leuchtete. Zusätzlich turnte noch die Kamera-Assistentin vor uns herum und bedeutete mit ihrem Bleistift wild gestikulierend, welche Kamera gerade lief. Nach drei bis vier Durchgängen waren wir vorerst fertig und verließen den Saal wieder. Wir setzten uns ins sogenannte Catering. Das war die Kantine für das MDR-Team sowie die Akteure. Wir ließen uns erstmal ein Bier schmecken.

Um 19:15 Uhr begann dann ein kompletter Durchlauf der Sendung. Wir sahen uns den ersten Teil an . Wie schon erwähnt, vertrat der Aufnahmeleiter einige Positionen der Hauptprobe, denn es waren noch nicht alle Prominenten da. Schließlich kamen auch wir noch einmal dran. Wir waren schon einigermaßen geübt.

Bei Schnappe im Gänsemarkt diskutierten wir dann noch einmal das kurz zuvor Erlebte.


Musik für Sie

Wir trafen uns bereits um halb vier an der Meirotels-Halle, denn wir sollten um vier Uhr in der Maske sein. Also bezogen wir unsere Garderobe, um uns in die schicke Auftrittskleidung zu schmeißen. Vor der Maske mußten wir noch warten, denn Andy Borg und Bernhard Brink waren gerade dran, außerdem mußten sich unbedingt die Mambo-Tänzerinnen und -Tänzer vordrängeln. Andy Borg kam aus der Maske und fragte: “Na Jungs, erkennt Ihr mich noch?” und Bernhard Brink zu Thorben: “Du bist raus!” (Auf Thorbens Verletzung unterhalb des Auges anspielend). Schließlich waren wir dran und wurden kräftig eingepudert. Man darf ja im Scheinwerferlicht nicht glänzen wie eine Speckschwarte. Einige von uns sahen danach aus, als wäre ihnen nicht gut. Stefanie Hertel kam vor uns in die Maske und saß nach uns immer noch. Stefan Mross hingegen, war schneller geschminkt. Er fragte uns, als wir wartend vor der Maske standen: “Geht’s Ihr net eini?”, was soviel bedeutet wie: “Geht Ihr nicht hinein?”.

Dann begann das lange Warten, denn die Generalprobe war erst um 18:15 Uhr und da wir gegen Ende der Sendung dran waren, kamen wir erst um ca. 19:15 Uhr zum Zuge. So begaben wir uns erneut ins Catering, um ein Wasser oder eine Cola zu uns zu nehmen.

Bei der Generalprobe waren schon einige Leute mehr im Publikum, denn man hatte einer Gruppe Kinder aus Tschernobyl die Möglichkeit gegeben, die Generalprobe komplett anzusehen.

Danach suchten wir das Catering auf, wo wir uns mittlerweile wie zu Hause fühlten. Von dort aus konnte man durch die Fenster hindurch in die Vorhalle sehen. Wir beobachteten die Leute, die nun nach und nach die Vorhalle füllten, schonmal ein Gläschen Saft oder Sekt trinkend. Darunter waren auch einige bekannte Gesichter.

Um 20:00 Uhr belagerten wir wieder die Räume der Maskenbildnerinnen, denn Nach-schminken war angesagt.

Im Catering vertrieben wir uns dann die Zeit bis zu unserem ersten Fernseh-Live-Act mit einem kühlen Bier. Kurze Zeit später kamen die drei Tenöre herein, denn ihr Auftritt war am Anfang der Sendung. Einer von ihnen kam zu uns herüber und fragte, wann wir dran wären und fügte hinzu: “Wir haben sie heiß gemacht und Ihr macht sie jetzt fertig!”. Das wollten wir gerne tun.

Wie gehabt wurden wir kurz vor unserem Auftritt abgeholt und hinter der Bühne entlang zu deren linker Seite geführt. Schließlich hatte Jürgen Renforth sein schneeweißes Brautkleid vor-getragen und Carmen Nebel interviewte den Bürgermeister von Rotenburg, Herrn Fehr, während wir unsere Positionen auf dem Treppchen einnahmen. Die Aufregung angesichts der 2000 Leute in der Halle und der laufenden Kameras ließ manches Notstrom-Knie zittern. Herr Fehr machte eine wunderbare Anmoderation und noch ehe der Applaus verhallt war, lief die CD an. “Aus der Traube in die Tonne, ...”. Wir mußten natürlich in die Kamera schauen, deren rotes Licht leuchtete, doch waren wir etwas verwirrt, da der Mann mit der Steady-Cam nicht vor uns stand, was noch bei der Generalprobe der Fall gewesen war. Die Zeit ging schnell um und wir genossen den Applaus. Noch eine Verbeugung und das war’s.

Wir verließen das Podium, um uns hinter der Bühne vor einem großen Fernseher zu versammeln und den Rest der Sendung anzuschauen. Doch nicht nur wir verweilten hinter der Bühne, sondern auch viele der anderen Akteure, wie auch die Ellenbacher Musikanten. Und so kam es, dass Niels im Gedränge einen Schritt zurück machte und mit dem Fuß ein Teil der Dekoration umtrat, was einen nicht unwesentlichen Lärm zur Folge hatte. Dumm war nur, dass er sich eine Ansage von Frau Nebel für seine kleine Einlage ausgesucht hatte und dieser Krach auch im Fernsehen gut zur Geltung kam. Verwunderlicherweise hat sich keiner der Fernsehleute beschwert.

Beim Finale versammelten sich dann nochmal alle Mitwirkenden auf der Bühne. Wir winkten genau so, wie wir es wenige Stunden zuvor gelernt hatten. Die Sendung war zu Ende und der Regisseur bedankte sich bei Allen. Sogleich gab es ein großes Tumult vor der Bühne, das hauptsächlich aus Fotografen bestand. Horst und Heusners kamen zur Bühne und begrüßten uns. Horst schoß gleich einige Bilder von uns. Dann mußten alle den Bereich vor der Bühne verlassen, denn es sollte noch die Aufzeichnung einer Gruppe geben, bei der es während der Sendung eine Bildstörung gegeben hatte.

In der Garderobe köpften wir dann erstmal die 3-Liter-Flasche Sekt, die Holger mitgebracht hatte, um den gelungenen Auftritt gebührend zu feiern. Das Lied “Mambofieber” von Stefanie Hertel war der absolute Ohrwurm an diesem Abend, viele von uns trällerten es vor sich hin. Dann zogen wir uns um.

Zum letzten mal betraten wir das Catering. Da wir keine VIP-Karten hatten, sagten wir zu dem Mann, der den Controlletti machte nur: ”NotstromAkrobaten” und er ließ uns passieren. Wir nahmen an einem länglichen Tisch Platz. Das Bufett war längst eröffnet, doch bevor wir es stürmten tranken wir erstmal etwas. Jürgen Renforth gesellte sich zu uns, denn es waren noch ein paar Plätze an unserem Tisch frei, und man hielt small talk von Künstler zu Künstler. Axel schnappte sich ein Werbeplakat der Sendung und klapperte die Mitwirkenden einen nach dem anderen ab, um sie unterschreiben zu lassen.

Wir hatten noch viel Spaß und traten die Heimreise erst nach Mitternacht an.

22. Oktober 1999

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